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Diese 36 Fragen für mehr Nähe haben unser Gespräch verändert

Kennst du das Gefühl, wenn ein Gespräch plötzlich an Tiefe gewinnt und du selbst überrascht bist, was dabei zu Tage kommt? Genau das ist mir neulich passiert. Und zwar nicht mit einer engen Freundin oder einer Klientin, sondern mit einer Frau, die ich erst vor Kurzem kennengelernt habe. Wir waren auf einer Wanderung und ich hatte einen Zettel mit 36 Fragen mitgenommen.

Fragen öffnen Räume, lenken den Fokus, schaffen Verbindung und helfen Klarheit zu entwickeln. Stellt uns ein anderer Mensch eine ehrlich gemeinte Frage, haben wir die Möglichkeit, über uns selbst zu sprechen. Forscher der Harvard University haben in einer 2012 veröffentlichten Studie anhand von Hirnscans gezeigt, dass das Sprechen über uns selbst im Gehirn dieselben Belohnungszentren aktiviert wie gutes Essen oder Geld.

Kurz zusammengefasst
Die 36 Fragen stammen ursprünglich aus einer Studie des Psychologen Arthus Aron (1997). Sie sollen gezielt Nähe zwischen zwei Menschen aufbauen. In diesem Artikel erfährst du neben der Herkunft, meine eigene Erfahrung und findest alle 36 Fragen für mehr Nähe zum Nachmachen.

Cordula auf einem Spaziergang in der Natur. Sie stellt ihrer Wanderfreundin die 36 Fragen für mehr Nähe
Wir stellen uns die 36 Fragen für mehr Nähe, Bild KI generiert

Wie ich auf die 36 Fragen gestossen bin

Seit August 2026 mache ich ein kleines Ritual. Jeden Tag trenne ich mich bewusst von zehn Dingen. Ich werfe sie weg, verschenke oder spende sie. Am Freitagabend ist mir dabei ein Zettel in die Hände gefallen. Auf ihm standen 36 Fragen, die Nähe zwischen Menschen schaffen. 

Was es mit diesen Fragen auf sich hat

Die 36 Fragen tauchen ursprünglich in einer Studie des Psychologen Arthus Aron von der Stony Brook University auf (“The Experimental Generation of Interpersonal Closeness“, 1997). Er wollte herausfinden, ob sich Nähe zwischen zwei Menschen anhand bestimmter Fragen gezielt aufbauen lässt, anstatt es dem Zufall oder ausreichend Zeit zu überlassen. Dafür hat er 36 Fragen zusammengestellt, die Schritt für Schritt immer tiefer und persönlicher werden.

Sie werden heute auch gerne als „36 Fragen für mehr Liebe“ bezeichnet. Angeblich verlieben sich zwei wildfremde Menschen, wenn sie sich in 45 Minuten gegenseitig die Fragen stelle und sich danach 4 Minuten tief in die Augen schauen.

Diese Fragen waren eine Inspiration für mich. Mir geht es primär darum, wie können wir Nähe zwischen zwei Menschen herstellen. Da es einige Dopplungen gab, habe ich diese gestrichen und durch zusätzliche Fragen ergänzt.

Ich wollte dieses Fragenritual schon lange einmal mit jemandem machen. Dann ergab sich die Möglichkeit.

Meine Wanderung mit einer neuen Freundin

Vor ein paar Tagen war ich mit einer neuen Wanderfreundin unterwegs. Ich hatte den Zettel mitgenommen. Wir haben uns einen Teil der Fragen gegenseitig gestellt. So ist ein sehr ehrliches und tiefes Gespräch entstanden. Ich habe nicht nur viel über sie erfahren, sondern auch über mich selbst. Manche Dinge wurden uns beiden erst durch das Aussprechen sehr klar. 

Warum solche Fragen so viel bewegen

Bestimmt kennst du das auch, dass sich im Gespräch etwas sortiert. Es wird klarer, wie du bestimmte Dinge siehst oder es dir gefühlsmässig damit geht.

Spannend finde ich vor allem, dass dabei neue Einsichten auftauchen, mit denen du vorher gar nicht gerechnet hast. Nicht weil dir jemand etwas erklärt, sondern weil du selbst beim Sprechen an etwas herankommst, das du vorher vielleicht noch gar nicht in Worte gefasst hattest. Und über mache Dinge denken wir schlichtweg erst nach, wenn wir gefragt werden.

Genau das ist für mich der Kern dieser Übung. Sie schafft einen Raum, in dem beide Seiten sich zeigen dürfen. Es ist kein Small Talk, sondern die Basis für ein ehrliches Gespräch mit Substanz. Natürlich bestimmen dabei die Beteiligten, was sie preisgeben wollen und was nicht.

Als wir uns gegenseitig die Fragen beantwortet haben, ist daraus ein ganz natürliches Gespräch geworden. Bei einer Frage haben wir gemeinsam beschlossen, sie nicht zu besprechen, weil das gerade nicht gepasst hat. Bei einer anderen Frage sind wir plötzlich bei anderen Dingen gelandet, weil sich das einfach ergeben hat.

Vielleicht bist du neugierig geworden und möchtest die Fragen kennenlernen. 

Die 36 Fragen für mehr Nähe

Du kannst die Fragen mit jemandem durchgehen, den du bereits kennst, oder mit einer Person, die du neu kennenlernst. Beide Teilnehmer lesen sich abwechselnd eine Frage vor, beantworten sie erst selbst und lassen dann das Gegenüber antworten.

Teil 1

  1. Welchen einen Menschen auf der Welt würdest du am liebsten zum Essen einladen?
  2. Würdest du gern berühmt sein? Wenn ja, wofür?
  3. Legst du dir jemals Worte zurecht, bevor du jemanden anrufst? Wenn ja, warum?
  4. Was ist für dich der perfekte Tag?
  5. Wann hast du zum letzten Mal für dich allein gesungen, und wann für einen anderen?
  6. Wenn du 90 Jahre alt werden könntest, was hättest du in den letzten 60 Jahren lieber, den Körper oder den Geist eines 30-Jährigen? (kannst du gemäss deinem Alter anpassen)
  7. Wie bist du zu deinem heutigen Beruf oder Weg gekommen, und würdest du die Entscheidung heute nochmal genauso treffen?
  8. Wofür in deinem Leben bist du am meisten dankbar?
  9. Welche drei Dinge glaubst du, haben du und dein Gegenüber gemeinsam?
  10. Wenn du etwas an dem ändern könntest, wie du erzogen wurdest, was wäre das?
  11. Wie würdest du deine Lebensgeschichte erzählen, in vier Minuten und möglichst detailliert?
  12. Wenn du morgen mit einer zusätzlichen Fähigkeit oder Eigenschaft aufwachen könntest, welche wäre das?

Teil 2

  1. Was würdest du am liebsten wissen wollen, wenn dir eine Zauberkugel die Wahrheit über dich, dein Leben, die Zukunft oder etwas anderes mitteilen könnte?
  2. Wovon träumst du schon lange, und warum hast du es noch nicht getan?
  3. Was war der bisher grösste Erfolg deines Lebens?
  4. Was ist dir bei einer Freundschaft am wichtigsten?
  5. Was ist deine liebste Erinnerung?
  6. Was ist deine schlimmste Erinnerung?
  7. Wenn du wüsstest, du würdest in 365 Tagen sterben, würdest du etwas an deinem jetzigen Leben ändern? Wenn ja, warum?
  8. Welches Prinzip oder welchen Wert würdest du nie aufgeben, egal was es kostet?
  9. Welche Rolle spielen Zuneigung und Liebe in deinem Leben?
  10. Welche fünf positiven Charaktereigenschaften, glaubst du, hat dein Gegenüber?
  11. Wie eng und herzlich sind die Beziehungen in deiner Familie? Glaubst du, dass deine Kindheit glücklicher war als die anderer Menschen?
  12. Welche Beziehung hast du zu deiner Mutter?

Teil 3

  1. Denkt euch zusammen drei „Wir-Aussagen“ aus, die wahr sind (zum Beispiel: „Wir sind beide in diesem Raum und fühlen uns …“).
  2. Vervollständige diesen Satz: „Ich wünschte, ich hätte jemanden, dem ich erzählen könnte …“
  3. Wenn du mit deinem Gegenüber eine tiefe Freundschaft schliessen würdest, was müsste er dann unbedingt über dich wissen?
  4. Was magst du an deinem Gegenüber?
  5. Was war ein peinlicher Moment in deinem Leben?
  6. Für was kannst du dich total begeistern?
  7. Wann hast du das letzte Mal in Gegenwart eines Anderen geweint? Wann für dich allein?
  8. Worüber darf man aus deiner Sicht keine Witze machen?
  9. Angenommen, du würdest heute Abend sterben und könntest mit niemandem mehr sprechen: Was würdest du bereuen, einer bestimmten Person nicht gesagt zu haben? Und warum hast du es bisher noch nicht gesagt?
  10. Wie bzw. wodurch holst du Freude in dein Leben?
  11. Der Tod welches Familienmitglieds würde dich am meisten mitnehmen und warum?
  12. Teile ein persönliches Problem mit deinem Gegenüber und frage ihn um Rat. Bitte ihn ausserdem, zu beschreiben, wie du dich seiner Meinung nach mit diesem Problem fühlst.

Verbindendes Ritual am Ende

Je nachdem, mit wem du das Gespräch geführt hast, könnt ihr:

a) Beide Teilnehmer schauen sich vier Minuten lang still in die Augen.

b) Beide Teilnehmer drücken ihre Wertschätzung für das Gespräch aus.

Ich habe die Fragen zusätzlich aufbereitet und für dich als PDF zusammengestellt. [Hier kannst du dir die 36 Fragen als PDF herunterladen.]

Und jetzt?

Vielleicht überlegst du dir gerade, mit wem du diese Fragen gerne durchgehen würdest: mit einer Freundin, einem neuen Kontakt oder deinem Partner/ Partnerin. Wer auch immer es sein wird, nehmt euch mindestens 30 Minuten Zeit und sorgt für eine angenehme Atmosphäre. Hört einander zu und lasst euch von dem Fragenritual berühren.

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Herzliche Grüsse
Cordula

Fragen und Antworten

Wie lange dauert das 36-Fragen-Ritual?
In der Studie von Arthus Aron waren für das Ritual 45 Minuten angesetzt. Jeder Frageblock dauerte 15 Minuten. Die Zeitdauer lässt sich nach Wunsch verlängern. 

Kann ich mir die Fragen auch alleine stellen? 
Wenn du gerne mehr Nähe zu dir selbst aufbauen möchtest, kannst du die Fragen auch schriftlich beantworten. Einige Fragen, die auf die Interaktion zwischen den Fragenden abzielen, fallen dann weg.  

Woher stammen die 36 Fragen ursprünglich?
Die 36 Fragen stammen ursprünglich aus einer Studie des Psychologen Arthus Aron (1997). Ich habe Doppelungen gestrichen und dafür neue Fragen aufgenommen.

Muss ich alle 36 Fragen auf einmal stellen?
Es kommt darauf an, was du durch die Fragen erreichen möchtest. Wenn du einen Menschen neu kennenlernst, macht es durchaus Sinn, alle Fragen in einer Runde zu stellen. Das ist aber ein Kann und kein Muss.  Du kannst die Fragen auch in Etappen stellen.

Welche weiteren Tipps hast du für mehr Wohlbefinden?
Ich habe eine kleine Serie mit Feel good Tipps zusammengestellt. Hier bekommst du noch mehr konkrete Impulse:

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